Weihnachten ohne Daueranspannung: Sanfte Wege aus dem Funktionsmodus
Nach außen wirkt alles festlich, gemütlich, vielleicht sogar harmonisch, aber innerlich stehst du total unter Strom? Dein Körper ist angespannt, dein Kopf rattert, und obwohl du dir so sehr Ruhe wünschst, fühlt es sich an, als müsstest du funktionieren. Gerade jetzt. Gerade an Weihnachten.
Viele Frauen in meiner Praxis beschreiben mir genau diese innere Zerrissenheit: Einerseits die Sehnsucht nach Ruhe, Nähe und Entschleunigung. Andererseits das Gefühl, alles zusammenhalten zu müssen, damit es für alle anderen schön wird. Oft kommt dann der Gedanke auf: „Ich halte das jetzt noch durch, danach kann ich mich erholen.“
Wenn es dir ähnlich geht, dann liegt das nicht daran, dass du zu sensibel bist oder dich einfach mehr entspannen müsstest. Dein System reagiert auf eine Zeit, die emotional intensiv sein kann, meist vollgepackt ist mit Erwartungen und die für viele alte Muster hochaktivierend ist.
In diesem Artikel erfährst du:
- warum Weihnachten den inneren Funktionsmodus so stark aktiviert
- was hinter der Daueranspannung steckt (und warum sie einmal sinnvoll war)
- wie du hypnosystemisch liebevoll auf dich schauen kannst
- 5 alltagstaugliche Impulse, mit denen du schon jetzt aus dem inneren Druck aussteigen kannst
Warum Weihnachten so oft Stress statt Entspannung auslöst
Weihnachten ist für unser Nervensystem weit mehr als ein paar freie Tage oder ein schönes Fest. Es ist eine Zeit, in der Erinnerungen, Rollen und unausgesprochene Erwartungen besonders präsent sind. Selbst wenn das heutige Weihnachtsfest vielleicht sogar objektiv ruhig ist, meldet sich innerlich oft etwas sehr Altes.
Viele Menschen spüren gerade an diesen Tagen einen starken inneren Druck, es allen recht machen zu wollen, Konflikte zu vermeiden und die eigene Erschöpfung nicht zu zeigen. Gedanken wie „Es soll doch harmonisch sein“ oder „Jetzt bitte keine schlechte Stimmung“ laufen dabei oft ganz automatisch im Hintergrund.
Vielleicht kennst du auch den inneren Satz: „Ich darf jetzt nicht schlapp machen. Nach den Feiertagen, da gönne ich mir Zeit für mich.“ Genau an diesem Punkt schaltet sich häufig ein sehr aktiver innerer Anteil ein, der dich funktionieren lässt. Welcher deiner Anteile könnte das sein? Bei vielen meiner Klientinnen sind es Anteile, die hochfunktional sind wie z.B. der Perfektionist, der Antreiber oder ähnliche.
Diese Anteile sorgen dafür, dass wir funktionieren. Und das war zu früheren Zeiten unglaublich wichtig für uns. Dass wir heute aber aus diesen Mustern aussteigen könnten, das wissen sie oft gar nicht. Heute darfst du neue Strategien erschaffen, Grenzen setzen und für dich sorgen. Das ist oft ein Weg, der Schritt für Schritt gegangen werden darf. Möchtest du diesen Weg gemeinsam mit mir gehen, dann buche dir gerne ein kostenloses Kennenlerngespräch.
Der Funktionsmodus und warum er entstanden ist
Aus hypnosystemischer Sicht ist der Funktionsmodus kein Zeichen von Schwäche, sondern ein kluger Anpassungsmechanismus. Dieser Anteil in dir hat irgendwann gelernt, dass es sicherer ist, stark zu sein, durchzuhalten und die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen.
Vielleicht war es früher wichtig, die Stimmung zu halten, Verantwortung zu übernehmen oder nicht zur Last zu fallen. Vielleicht hast du erfahren, dass Anerkennung vor allem dann kam, wenn du funktioniert hast. Dieser innere Anteil verfolgt also ein gutes Ziel: Er möchte Sicherheit, Zugehörigkeit und möglichst wenig Konflikt.
Gerade an Weihnachten, wenn Harmonie und familiäre Nähe so hoch bewertet werden, wird dieser Anteil oft besonders laut. Das Problem ist nicht, dass er da ist, sondern dass er gerade keine Pause bekommt und alles andere übertönt. Mehr zum Thema Innere Anteile und Ego-State-Therapie findest du hier.
Weihnachten darf auch leise sein
Gleichzeitig gibt es in vielen Menschen einen ganz anderen Wunsch. Einen Wunsch nach Rückzug, nach weniger Reizen, nach Momenten, in denen niemand etwas von ihnen will. Oft taucht dieser Wunsch nur leise auf und wird schnell von schlechtem Gewissen überlagert.
Viele meiner Klientinnen haben zum Beispiel gelernt, dass gerade an Weihnachten eigene Bedürfnisse hintenanzustehen haben. Dabei ist genau das Gegenteil hilfreich: Dein Nervensystem braucht keine perfekten Feiertage, sondern Sicherheit, Vorhersehbarkeit und kleine Momente von Entlastung.
Du darfst aus dem Funktionsmodus aussteigen, ohne egoistisch zu sein. Und du darfst Weihnachten so gestalten, dass es sich für dich ein kleines bisschen stimmiger anfühlt. In einem weiteren Blogartikel habe ich dir 10 körperorientierte Übungen zusammengestellt, die dir helfen können, zu mehr Ruhe zu finden. Schau gerne mal rein.

5 Impulse, um aus der inneren Daueranspannung auszusteigen
1. Steig über den Körper aus – nicht über den Kopf
Wenn du merkst, dass du innerlich unter Strom stehst, versuche nicht, dich „runterzudenken“.
Stattdessen:
- stell beide Füße bewusst auf den Boden
- drücke sie für ein paar Sekunden leicht in den Untergrund
- lass beim Ausatmen die Schultern sinken
Das signalisiert deinem Nervensystem: Ich bin hier. Es ist gerade okay.
2. Erlaube dir einen inneren Satz gegen den Funktionsdruck
Wähle einen Satz, den du dir über die Feiertage immer wieder innerlich sagst, zum Beispiel:
- „Ich darf es mir heute leichter machen.“
- „Ich muss gerade nichts leisten.“
- „Auch mit weniger Energie bin ich genug.“
Das ist nicht als Affirmation gedacht, sondern als Erlaubnis, die du dir selbst gibst..
3. Plane Pausen ein
Du musst nicht alles absagen oder erklären.
Manchmal reicht:
- 5 Minuten allein im Bad
- ein kurzer Spaziergang um den Block
- ein Moment mit geschlossenen Augen
Wichtig ist: Diese Pause ist nur für dich, nicht zur Erholung für andere.
4. Senke bewusst die innere Messlatte
Frage dich:
„Was wäre dieses Jahr gut genug?“
Nicht perfekt. Nicht harmonisch um jeden Preis. Sondern einfach gut genug.
Dein Nervensystem entspannt sich nicht, wenn alles stimmt, sondern wenn der Druck nachlässt.
5. Nimm den Funktionsmodus liebevoll wahr
Wenn du merkst, dass du wieder „durchziehst“, sag dir innerlich:
„Ah, da bist du. Danke, dass du mich schützen willst.“
Allein dieses Wahrnehmen – ohne Kampf – kann Spannung reduzieren.
Du musst diesen Anteil nicht loswerden. Er darf nur nicht alleine bestimmen. Mehr über innere Anteile erfährst du HIER.
Fazit: Du bist mehr als das, was du leistest – auch an Weihnachten
Vielleicht ist dieses Weihnachten nicht das entspannteste deines Lebens. Vielleicht ist es auch nicht das schwierigste. Aber es darf eines sein: ehrlicher und näher an dem, was für dich gerade möglich ist.
Du darfst müde sein, ohne dich dafür zu rechtfertigen. Du darfst Grenzen spüren, auch wenn sie nicht perfekt umgesetzt werden. Und du darfst Weihnachten erleben, ohne dich ständig zusammenzureißen.
Du bist so viel mehr als das, was du leistest. Und manchmal beginnt Entlastung genau dort, wo du dir innerlich erlaubst, ein kleines Stück weniger zu müssen. Weitere Tipps findest du in meinem Artikel So entkommst du dem ständigen Leistungsdruck
Wenn du merkst, dass dich der innere Funktionsdruck nicht nur an Weihnachten begleitet, sondern schon lange Teil deines Alltags ist, musst du da nicht alleine durchgehen. In meiner Praxis arbeite ich ressourcen- und lösungsorientiert mit einem hypnosystemischen Blick auf genau diese Muster.
Du kannst dir gerne ein kostenloses Kennenlerngespräch vereinbaren oder weiter im Blog stöbern. Auf Instagram, YouTube und Pinterest teile ich regelmäßig Impulse rund um Angst, Nervensystemregulation und innere Sicherheit.
Du darfst Schritt für Schritt aus dem Funktionieren aussteigen. Nicht irgendwann, sondern immer wieder. Auch jetzt an Weihnachten. Oder vielleicht gerade jetzt.







